Unser Anliegen

Unter dem Parkplatz der Sandstrand

Seit ihrer Gründung in den turbulenten und eisernen 1980er Jahren ist die Grabenhalle ihrem Selbstverständnis nach als eine blosse Mehrzweckhalle und kein luftleerer Raum. Der Ort verstand sich stets als Intervention ins Stadtgeschehen, als konkrete Praxis zur Schaffung gemeinschaftlicher Räume. Aber auch als Raum, in dem gesellschaftliche Konflikte ausgehandelt werden und in dem sie letztlich auch stattfinden.

Denn die Stadt ist der Place to be. Städte sind das Zentrum, sie sind hip, interessant, begehrt und umstritten. Und es sind gerade die Städte, in denen sich die Verteilkämpfe um gesellschaftlichen Reichtum und Ressourcen, aber auch um Teilhabe, speziell offenbaren. Umso wichtiger ist es, dass wir uns hier einmischen, in den Quartieren, im öffentlichen Raum, in den Institutionen, in der Politik. Denn wir nehmen das Versprechen ernst, dass eine Stadt für alle da sein soll.

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Das Parkplatzfest als Hausprojekt der Grabenhalle war immer die konsequente Fortführung der Grundhaltung der Grabenhalle, denn es trägt in die Stadt hinaus, was an den Mauern der Halle nicht enden kann: öffentlichen, gemeinschaftlichen Freiraum zu schaffen gegen die soziale und ökonomische Ausgrenzung. Ein Ort der Vielen zu sein, ohne dabei lediglich Kultur für die konsumierende lethargische Masse zu offerieren. Das Fest sollte aber auch immer der Anstoss zu Debatten sein: über motorisierten Individualverkehr, über das kollektive Wohnen und Leben in der Stadt.

Denn die Konflikte schwelen allerorts. Das zeigt sich auch oder gerade in der Stadtentwicklung. Verschiedene Schauplätze in St.Gallen illustrieren wie die Stadt längst ökonomisch unter Druck geraten ist und die öffentliche Hand, die Herren Investoren, die Eliteuniversität, Mieterinnen und Mieter mit unterschiedlichen Portemonnaies, die Autos und die hysterische Parkhauslobby, Immobilienhaie und Firmen um die besten Filetstücke des begehrten städtischen Raums konkurrieren. Die Stadt als Ganzes soll „unternehmerisch“ geführt werden, unterworfen den tristen Regeln des Marktes und der ökonomischen Verwertung, hochpoliert von den Strategen der Standort- und Imagepolitik. Wer von einer solchen, auf Rendite ausgerichteten Stadtentwicklung profitiert, und wer auf der anderen Seite unerwünscht ist und vertrieben wird, liegt auf der Hand. Punks müssen der 340. Gartenbeiz weichen. Eckkneipen hippen Biotempeln. Günstige Wohnungen Bürokomplexen.

Der Parkplatz:

«Die ökonomische Vernunft – sie sagt mir nichts. Nicht nur, weil ich als Teil der Kultur immer als erstes von ihr betroffen bin, da sich mein Nutzen nicht so leicht ökonomisch berechnen lässt. Ich bin eine Insel, umgeben vom Abgas der neoliberalen Stadtentwicklung. Lasst mich Exempel sein gegen die organisierte, reglementierte und fertiggeplante Langeweile, wie sie die aus dem Boden schiessenden spektakelsüchtigen Stadtevents sind, die uns fast schon wöchentlich aufgetischt werden. Harmlosigkeit. Kultur auf Befehl. Lasst uns hier Räume der unverhofften und ungeplanten Begegnungen und Interaktionen schaffen. Ich möchte draussen sein, was die Grabenhalle drinnen ist. Eine Halle für Alle. Dafür braucht es nicht viel – das könnt ihr mir glauben. Ein paar Bänke, ein paar Bäume, den Wind und eine Brise Vertrauen. Lasst uns von hier aus die Stadt zum Spielplatz machen, sie so machen wie sie uns gefällt. Unter dem Parkplatz der Sandstrand.»

Die Grabenhalle versteht sich als Teil der sozialen und kultureller städtischen Gemeinschaft. Einer Stadt für alle, gerade aber für die Ausgestossenen und Abgehängten, für alternative Lebensentwürfe, für die Wenigverdienenden, für Geflüchtete, welche die Stadt längst auch zu ihrer gemacht haben. «Platz da!» heisst, dass wir einfordern, an den Veränderungsprozessen in der Stadt teilzuhaben. Es heisst aber auch, dass hier nicht die Investoren den Ton angeben, sondern der gemeinschaftlich gestaltete Raum solidarisch finanziert wird.

Der Parkplatz:

Doch ich möchte nicht Standortfaktor, nicht Poliermittel für das Stadtimage, keine Bilanzzeile des Unternehmens St.Gallen und nicht Komplize der Monotonie und Tristesse der bürokratisierten Stadt sein, in der alles zugewiesen, reglementiert, fertiggeplant, überwacht und geputzt ist. Ich will ein lauter Ort sein, von Menschen in Besitz genommen und gestaltet, wo niemand die Konsumbedürfnisse anderer befriedigen muss. Ich will werden.